Das Diogenes-Programm

„Ein Sklave dient seinem Herren, ein Nichtsnutz seinen Begierden“ … diesen Ausspruch schreibt man Diogenes von Sinope zu. Dem Philosophen nach dem das Bauwagenprojekt benannt ist.
Gestern Abend fand die dritte Veranstaltung des Diogenes-Programms statt, dass ich begleitend für alle Interessierten anbiete. Und Diogenes war diesmal das Thema. Ich stellte ihn und sein Konzept von Glück oder Zufriedenheit dem Philosophen Epikur von Samos gegenüber.
Diese Beiden lebten wenigsten 20 Jahre zur gleichen Zeit, um das dritte vorchristliche Jahrhundert, in Griechenland. Davon einen Großteil in Athen. Der Ansatz für ihre jeweilige Philosophie aber könnte gegensätzlicher nicht sein. Diogenes ging davon aus, das Lustempfinden nicht besonders wertvoll, zum Teil aber unvermeidlich und damit lästig sei, während Epikur glaubte, dass man Glück und Zufriedenheit erreicht, wenn man dem Lustempfinden gerecht wird. Bei Diogenes führte es zu einem freiwilligen Leben als Obdachloser und Asket, der gelegentlich in einem Weinfass schlief und sich vor allem von rohem Obst und Gemüse ernährte. Im Sommer wälzte er sich in heißem Sand und im Winter umarmte er beschneite Marmorstatuen, um sich von jeder Bequemlichkeit zu entwöhnen.
So etwas war Epikur fremd, allerdings war auch er keinesfalls ein Philosoph der Zügellosigkeit. Vielmehr vertrat er den Standpunkt, dass man möglichst genügsam sein solle. Denn die einfachen Bedürfnisse sind leicht zu befriedigen. Wenn man aber immer auf das schaut, was man noch haben oder erleben möchte, wird man immer ein Gefühl von Mangel haben, unzufrieden und unglücklich sein. Auch Epikur empfiehlt Disziplin z.B. beim Sport. Die kurzfristige Unlust, die die Anstrengung hervorruft, wird durch einen großen Zugewinn an Lust durch Gesundheit und Beweglichkeit weit mehr als ausgeglichen.

Es ist erstaunlich, wie diese beiden Denker von sehr gegensätzlichen Voraussetzungen zu ähnlichen Empfehlungen kommen. Der Gesprächskreis von insgesamt zehn Personen zeigte sich sehr interessiert. Vieles konnte auf eigene Lebenswirklichkeiten und Ideen bezogen werden und mit einigen zogen sich die Gespräche, die irgendwann natürlich um ganz anderes kreisten, bis in die Nacht hin. Eine angenehme, schöne Veranstaltung.
Ich freue mich auf die nächste Woche. Am 1.7. ab 20.00 Uhr werden wir uns mit Kinderbüchern befassen. Und wieder sind alle Interessierten eingeladen.

One Response to Das Diogenes-Programm

  1. Hallo Wissenschaftler,
    aus der Bremer Zeitung bin ich auf das Projekt aufmerksam geworden. Das Thema ist hoch Interessant und in unserer Zeit des Überfluß sowie des Mangels eine große Herausforderung. Der Gedanke an eine einfache, entschleunigte und zutiefst befriedigende Lebens- u. Darseinsperspektive könnte Geschiche schreiben! Bitte weiter so!
    Mich selbst inspiriert diese Vorstellung zu einer Welt ohne Verlogenheit, Rücksichtslosigkeit und Irrglauben. Widerstand ist in diesem Falle eben nicht zwecklos sondern einer der ersten Schritte zu einer ehrlichen Betrachtung, aufrichtigen Analyse und einer unvoreingenommenen Synthese im Bezug auf ein humanes Gesellschaftsmodell, dass es nur geben kann wenn selbslose, unabhängige und freie Menschen die Solidarität nicht vergessen.
    Denn der Einzelner wirkt ebenso für Alle, wie die Vielen für den Einen!
    Solidarische Grüße

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